Der Auslands-Sachse – Integrationshelfer, Umweltschützer, Familienmensch

So würde ich gerne alle bezeichnen, die in Sachsen aufgewachsen sind, erzogen und beschult wurden und sich dann im Erwachsenenalter auf den Weg ins nächste Bundesland oder die weite Welt gemacht haben. Ein Teil der Auslands-Sachsen wird später zu Rückkehrern. Die Menschen die ihre Reise an dem Punkt beenden, an dem sie begonnen hat.

Ich war selbst etwa 1/3 meines nun bald 38 Jahre währenden Lebens ein Auslands-Sachse und bin seit fast 3 Jahren nach 16 Jahren Reise nach Hause zurückgekehrt und habe den Wohnsitz meiner mittlerweile verstorbenen beziehungsweise gebrechlichen Großeltern übernommen. Meine Großeltern sind waschechte Chemnitzer, die sich im 2. Weltkrieg in der Tanzschule kennengelernt haben. Ihr kleines Haus am Stadtrand war ebenfalls eine „Oma“ als ich es bekam. Es roch nach einer Mischung aus Heimatkundemuseum das niemand besucht und Apotheke, das Interieur bestand aus Spinnenweben, Plüsch und Rüschengardienen und die Decke zwischen Keller und Erdgeschoss stellte sich als so marode heraus, dass sie ihre Tragfähigkeit verloren hatte und bald zerfiel.

Rückkehrerin Kersten Berndt

Da es mein Beruf und meine Berufung ist etwas kaputtes und meist älteres sorgsam zu reparieren und langsam ins Leben zurück zu führen ohne dass ich einen Abschluss der Universität Hogwarts im Zaubern oder einen Jungbrunnen im Garten hätte, wollte ich mich der Herausforderung stellen. Um meiner Villa Kunterbunt zu etwas echtem würdevollem zu verhelfen, bat ich Andrea Steinert um künstlerische Unterstützung. Und auf diesem Wege ist unsere Zusammenarbeit entstanden.

Mein Name ist Kersten, ich habe zwischen 1999 und 2015 als Auslands-Sachse in Großbritannien, Hessen, Italien und der Schweiz gelebt. Ende 2015 habe ich meine Reise beendet und werde Euch in Form eines Blogs berichten warum ich 1999 vereist bin, warum ich 2015 erst von der Reise zurück gekommen bin, was sich in der Zeit in Chemnitz verändert hat und was einem beim Reisen und beim wiederkommen so alles passieren kann, ich sage nur die Bürokratie schläft nie …

Aber auch die ist zu meistern.

Der „Rückkehrer“ hat auf jeden Fall viele Vorteile in der Gesellschaft von heute und kennt sich von Natur aus mit vielen Themen, die uns beschäftigen aus ohne sich anstrengen zu müssen:

  1. Integration von Fremden – der Rückkehrer war selbst Fremder, Ausländer, Integrierter, fremder Freund, skeptisch Beäugter, jemand mit einer anderen Sprache, ausländischen Dokumenten usw., das macht ihn oder sie automatisch zum Integrationsinsider.
  2. Vorreiter für Nachhaltigkeit und Umweltschutz – der Rückkehrer hat sich gegen endlose Reisen zur Familie entschieden sowie gegen lange Autobahnfahrten oder Flugreisen zu Freunden und für kurze Wege und somit für das Einsparen von rohölbasiertem Treibstoff und gegen unsinnigen CO2-Ausstoss.
  3. Vereinbarkeit von Beruf und Familie – der Rückkehrer hat Eltern und Kinder an einem Ort und kann vom Wissen und der Hilfe der Großeltern profitieren und seinen Eltern im Alter ohne stressige Reisen, Zeitverlust und Organisation eine Hilfe sein.

Und noch ein Vorteil. Mit diesen doch recht guten Voraussetzungen kann man im eigenen „zu Hause“, in dem einem durch sein „Hausrecht“ eine Stimme zugesprochen wird aktiv mitentscheiden, wie dieses „Haus“ aussehen soll.

Ich würde mich freuen, wenn das eine erste kleine Motivation ist und werde versuchen auf diesem Wege aus meiner Erfahrung und mit meiner eigenen Geschichte praktische Hinweise und Mut zu spenden.

Viele Grüße
Kersten B.